Die Geschichte der Zeiss Objektive ist eine der ältesten, traditionsreichsten und technologisch bedeutendsten in der Welt der Fotografie. Sie umfasst mehr als 130 Jahre Entwicklung – von der frühen Optik für Plattenkameras bis zu heutigen Hochleistungsobjektiven für Digitalkameras, Film und Industrie.
ZEISS Objektivgeschichte in 5 Epochen
1. Die Anfänge – Jena & der Urknall der Optik (1886–1945)
- 1886: Zeiss entwickelt mit Paul Rudolph das erste anastigmatische Fotoobjektiv “Protar” – revolutionär für Schärfe & Verzeichnung.
- 1896: Einführung des legendären Planar-Designs – heute noch verwendet!
- 1902: Tessar entsteht – „Adlerauge deiner Kamera“. Kompaktes, scharfes Standardobjektiv, Jahrzehnte lang Standard in Kameras weltweit.
- Fokus in dieser Ära: Großformat, Plattenkameras, frühe Leica-ähnliche Prototypen.
🧪 2. Der Nachkriegs-Split: Zeiss Jena vs. Zeiss Oberkochen (1945–1989)
Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Zeiss durch den Ost-West-Konflikt in zwei Firmen aufgeteilt:
| Ort | Firma | Objektive |
|---|---|---|
| Jena (DDR) | VEB Carl Zeiss Jena | DDR-Kameras (z. B. Praktica) |
| Oberkochen (BRD) | Carl Zeiss (West) | Contax, Rolleiflex, später Hasselblad |
🔧 Wichtige Designs in dieser Zeit:
- Sonnar: lichtstarkes Teleobjektiv (1930er Ursprünge, später modernisiert)
- Biogon: Weitwinkel mit fast keiner Verzeichnung – heute noch beliebt
- Distagon: für SLRs entwickelt – rückwärtiger Fokus, für Weitwinkel
- Planar: DAS Standardobjektiv der 1950er–1970er (besonders auf Contax)
Zeiss-Objektive wurden u. a. in Hasselblad-Kameras der NASA bei den Mondlandungen verwendet.
3. Zeiss & Contax: Goldene Ära der 1970er–90er
- Zeiss kooperiert mit Yashica/Kyocera: Das Contax-System entsteht.
- Die legendären Zeiss T Objektive* für Contax SLRs werden weltberühmt:
- Planar 50mm f/1.4 T*
- Sonnar 135mm f/2.8
- Distagon 28mm f/2.8
- Mechanisch & optisch perfekt gebaut, oft noch heute im Einsatz mit Adaptern (z. B. auf Sony E-Mount).
4. Zeiss im digitalen Zeitalter (2000–2015)
🔧 Manuelle Objektive für DSLR & Cine
- Zeiss bringt ZF (Nikon F), ZE (Canon EF), ZK (Pentax) – alles manuell fokussierende Objektive mit T*-Vergütung.
- Beliebte Linsen:
- Distagon 21mm f/2.8
- Makro-Planar 100mm f/2
- Otus-Serie (High-End-Luxusobjektive für Canon/Nikon): z. B. Otus 55mm f/1.4
Cine-Objektive
- CP.2 & Compact Primes für professionelle Filmkameras
- Supreme Prime Serie für Hollywood – extrem teuer, makellose Qualität
5. Zeiss & Sony: Autofokus-Zeitalter & Batis, Loxia, Touit (2013–heute)
Zeiss ist Partner von Sony, u. a. bei der Entwicklung der Alpha-Serie. Es entstehen neue Produktreihen:
| Serie | Mount | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Batis | Sony E (AF) | Autofokus, OLED-Display, wetterfest |
| Loxia | Sony E (MF) | Manuell, kompakt, sehr präzise |
| Touit | Fuji X / Sony | APS-C, Autofokus |
| Otus | Canon/Nikon | Referenzobjektive (manuell) |
| Milvus | Canon/Nikon | Nachfolger der ZF/ZE-Serie (manuell) |
| Supreme Prime / CZ.2 | Cine | Für digitale Kinokameras, 4K/8K-ready |
Zeiss hat keine eigene Kameras mehr (abgesehen von der Zeiss ZX1 mit Lightroom an Bord – gescheitert).
Fazit: Zeiss = Glasperfektion mit Geschichte
- Die Planar– und Sonnar-Rechnungen von Zeiss sind seit über 100 Jahren Referenzdesigns.
- Zeiss prägte sowohl die analoge wie auch digitale Foto- und Kinowelt massiv.
- Während die Produktion heute oft ausgelagert ist (z. B. an Cosina in Japan), bleibt das optische Design, die Qualitätskontrolle und T*-Vergütung bei Zeiss in Oberkochen.