Moderne Kameras bieten heute alle TTL an. Wie funktioniert TTL und wo stösst das System an die Grenzen?

Was ist TTL?

TTL bedeutet Through The Lens.
Dabei misst die Kamera durch das Objektiv, wie viel Blitzlicht für die richtige Belichtung nötig ist.

Der Ablauf ist vereinfacht so:

  1. Die Kamera löst beim Druecken des Ausloesers einen Vorblitz aus.
  2. Der Kamerasensor misst die vom Motiv reflektierte Lichtmenge.
  3. Die Kamera berechnet im Bruchteil einer Sekunde die passende Blitzleistung.
  4. Der Hauptblitz folgt unmittelbar danach und bildet das Bild.

Vorteile von TTL

  • Automatisch und schnell
    Perfekt, wenn sich Licht oder Motiventfernung ständig aendern.
  • Gute Ergebnisse ohne viel Einrichten
    Besonders hilfreich bei Reportage, Events, Hochzeit, Street.
  • Flexible Arbeitsweise
    Du kannst weiter in der Kamera belichtungskorrigieren (Blitzbelichtungskorrektur).
  • Ideal für On-Camera-Flash
    Funktioniert gut, wenn der Blitz sich in der gleichen Achse befindet wie das Objekt. Denn dann wird das meiste Licht auch zur Kamera reflektiert.

Nachteile von TTL

  • Nicht konstant
    TTL liefert nicht immer identische Belichtungen – kleine Änderungen in Reflektionen können das Ergebnis beeinflussen.
  • Vorblitz kann stören
    Menschen mit empfindlichen Augen oder Tiere reagieren manchmal darauf.
  • Unberechenbar bei schwierigen Szenen
    Sehr helle oder dunkle Bildelemente / Hintergründe können die Messung täuschen.
  • Weniger Kontrolle als im manuellen Modus
    Für Studioarbeit ist TTL deshalb weniger beliebt. (Für konstante Ergebnisse selten brauchbar.)

Mein Tipp

TTL ist eine Automatikfunktion, die wie eigentlich alle Automatikfunktionen, durchschnittliche Ergebnisse bei durchschnitlichen Motiven liefert. Das meine ich jetzt nicht zwingen kritisch. Aber TTL reagiert halt auf reflektiertes Licht. Trägt jemand ein weisses Hemd oder ein schwarzes, dies wird die Belichtung des Gesichts erheblich verändern. TTL hilft um eine erste Näherung zu erhalten. Wer es genau wissen will, sollte alles auf “manuell” umstellen. Damit meine ich Kamera und Blitz. Kein TTL. Dann hat der Fotograf die Kontrolle und kann sich exakt der richtigen Belichtung annähern. Das klingt jetzt kompliziert. Ist es in Wirklichkeit aber nicht. Natürlich kann man auch einfach unter- oder überbelichten. Aber da die Automatik bei jeder Auslösung alles neu berechnet, ist das Ergebnis oft sehr zufällig. Das ist nicht professionell.
Bei schnell wechselnden Situationen (Reportagen usw.) und wenn der Fotograf wenig Zeit hat, dann kann TTL durchaus Sinn machen.

Und nun eine Testfrage:

Du fotografierst mit TTL. Verschlusszeit 1/125s, Blende 8 und ISO500. Das Motiv ist überbelichet. Was machst du?

a) Blende 11

b) 1/250s

c) ISO 200

d) Blitz -0,7

Lösung:
Die einzige Massnahme, die wirkt, ist die Reduktion der Blitzleistung. Alles andere korrigiert die Automatik immer wieder und das Bild bleibt gleich schlecht. Die Veränderung der Blitzleistung, ändert das Verhältnis zum Umgebungslicht. Das heisst, du schaffst so evtentuell neue Probleme.

Was wäre die richtige Antwort, wenn du manuell fotografierst?

Blende und ISO können auch verwendet werden. Mit der Blende änderst du die Tiefenschärfe. Das ist aber meistens unproblematisch. Mit der Änderung von ISO könntest du sogar dieses Problem lösen.

Du erkennst also sehr schnell, dass manuelles Fotografieren auch sehr grosse Vorteile haben kann.