Ja, es lohnt sich oft, aber mit klaren Erwartungen. Es kommt stark darauf an, welches Objektiv und welche Kamera du hast.
Reicht die Auflösung?
Die Objektive wurden für Film gerechnet, und der löst praktisch weniger auf als ein moderner 45-61-MP-Sensor. Bei 24-33 MP reichen viele gute alte Objektive in der Bildmitte problemlos, besonders abgeblendet auf f/4-f/8. Bei sehr hochauflösenden Sensoren kommen die Grenzen eher zum Vorschein. Das Hauptproblem sind dabei meist nicht die Mitte, sondern Offenblende und Bildecken. Alte Weitwinkel sind fast immer schwächer als Teles und Normalbrennweiten, und lichtstarke Gläser sind bei Offenblende oft weich und kontrastarm.
Typische Probleme
- Randqualität und Aberrationen: Farbsäume (laterale und longitudinale CA, Purple Fringing), Koma, Astigmatismus und starke Vignettierung bei Offenblende. Das kann Charakter sein, nervt aber bei Landschaft oder Astro schnell.
- Kontrast und Streulicht: Ältere Vergütungen führen zu mehr Flares und weniger Mikrokontrast bei Gegenlicht. Eine passende Streulichtblende hilft.
- Alter des Exemplars: Pilz, Haze, Ölfilm auf den Blendenlamellen, ausgeleierte Fokussierschnecken und dezentrierte Linsengruppen gibt es nach 20-40 Jahren häufig. Zwei Exemplare desselben Modells können sich sichtbar unterscheiden. Manche Gläser mit Thorium (z. B. frühe Takumars) vergilben, was sich aber oft per UV-Licht korrigieren lässt.
- Adapter: Billige Adapter haben Toleranzen im Auflagemass. Das führt zu Unschärfe, Verkippung oder verfehlter Unendlichfokussierung. Gute Adapter sind wichtig.
- Sensor-Kombination bei Weitwinkeln: Besonders Leica-M-Weitwinkel an einigen spiegellosen Vollformatern zeigen Farbstiche und Eckenunschärfe, weil das Glas vor dem Sensor dicker ist als beim analogen Film. Teles und Normalobjektive sind unkritisch.
- Handling: Kein Autofokus (ausser z. B. EF-Objektive an RF- oder AF-S/AF-D an Z-Kameras mit passendem Adapter), keine Datenübertragung, Arbeitsblende und manuelle Fokussierung. Fokuspeaking und IBIS helfen allerdings sehr.
Vorteile
- Günstig, oft sehr gut verarbeitet (Metall, präzise Fokusringe)
- Eigener Look: weichere Offenblende, Bokeh und Flares, die viele gezielt wollen
- Manuelle Bedienung ist ideal für Video, Astro und ruhiges Fotografieren
Praktische Tipps
- Starte mit 50-135 mm, dort ist die Qualität am besten und die Kombination am unkritischsten.
- Teste bei f/2.8, f/4 und f/5.6 an den Bildrändern, bevor du dir ein Urteil bildest.
- Kaufe nach Möglichkeit mit Rückgaberecht und prüfe das Glas gegen eine Lampe auf Pilz und Haze.
- Wenn du auf maximale Schärfe über das ganze Bild angewiesen bist (Landschaft, Architektur, Reproduktion), sind moderne Objektive meist die bessere Wahl.
