Benro Polaris Astro im Praxistest
Standardsoftware vs. Alpaca 2.0 — Nachführgenauigkeit und Praxistauglichkeit
Testbericht · August 2026
1 Einleitung
Der Benro Polaris Astro hat sich in den letzten Jahren als populäre Wahl für mobile Astrofotografen etabliert. Die kompakte Reisemontierung verspricht solide Nachführung ohne den logistischen Aufwand einer klassischen Äquatorialmontierung. Mit der Einführung von Alpaca 2.0 — einer Drittanbieter-Steuerungssoftware — ergeben sich deutlich erweiterte Möglichkeiten, insbesondere in Kombination mit PHD2-Autoguiding. Dieser Bericht vergleicht die Nachführgenauigkeit der Standardsoftware mit Alpaca 2.0 und ordnet die Ergebnisse in den Kontext des Dwarf Mini (Smart-Teleskop) sowie der 10Micron GM1000 HPS (professionelle Klasse) ein.
2 Prüfaufbau
Für die Vergleichsmessungen wurde folgendes Setup verwendet:
— Montierung: Benro Polaris Astro
— Kamera: Vollformatkamera, Pixelgrösse 8.6 µm
— Objektive: 14, 135 und 400 mm Festbrennweite
— Pixelmassstab: 4.44 Bogensekunden pro Pixel
— Vergleichssystem A: Dwarflab Dwarf Mini (1/2.8″-Sensor, 2.9 µm, eff. 1016 mm)
— Vergleichssystem B: 10Micron GM1000 HPS mit Absolutencodern, ungeführt
— Auswertung: RMS-Tracking-Fehler in Bogensekunden über 15 Minuten
Meine Tests mit dem Benro waren auf Grund der äusseren Rahmenbedingungen leicht begrenzt. Tobco hat mir den Benro Polaris inkl. Astro kostenlos zur Verfügung gestellt. Das weiss ich sehr zu schätzen. Nun ist es natürlich in der Astrofotografie nicht so, dass man quasi sagen kann heute Abend habe ich Zeit und heute mache ich coole Astor Fotos. So geht es leider nicht. Die zur Verfügung stehende Zeit ist die Basis, die Mondphasen sind ein weitererer Faktor und natürlich auch Wetter und Seeing. Zusätzlich -wenn man in die Berge will – gehört im Mai auch noch der Schnee zu einen Entscheidungskriterium.
Ich hatte insgesamt drei Nächte zur Verfügung. Davon war eine nahe beim Vollmond und eine war bewölkt. Also waren die Rahmenbedinungen nicht ganz optimal.
3 Benro Polaris mit Standardsoftware
Im Betrieb mit der herstellereigenen Benro-App zeigt der Polaris Astro bei 400 mm Brennweite einen typischen Nachführfehler von rund 20 Bogensekunden RMS. Das entspricht bei der verwendeten Vollformatkamera einer Sternverwacklung von etwa 4–5 Pixeln über einen Belichtungszeitraum von mehr als 30 Sekunden. Einzelbelichtungen jenseits von 20–30 Sekunden weisen damit sichtbare Strichspuren auf, was eine nachträgliche Selektion und aggressiveres Stacking erfordert. Die Ursache liegt primär in der vereinfachten Motorsteuerung der App: Polabweichungen und periodische Schneckenfehler werden nicht aktiv kompensiert. Für Weitwinkelaufnahmen bis ca. 50 mm Brennweite bleibt die Standardsoftware
Die Ergebnisse überraschen

4 Benro Polaris mit Alpaca 2.0
4.1 Alpaca 2.0 ohne Guiding
Alpaca 2.0 implementiert das ASCOM Alpaca-Protokoll und ermöglicht damit den Einsatz etablierter Astrofotografie-Software wie NINA, Stellarium oder KStars. Durch präzisere Motoransteuerung und aktive Kompensation der Schrittfehler reduziert sich der Nachführfehler auf typisch 6–8 Bogensekunden RMS — eine Verbesserung von rund 65 % gegenüber der Standardsoftware. Bei 400 mm Brennweite entspricht das noch etwa 1.5 Pixeln Verwacklung pro Aufnahme, was für Belichtungszeiten bis ca. 60–90 Sekunden akzeptable Einzelframes liefert.
4.2 Alpaca 2.0 mit PHD2-Pulsguiding
Die Kombination von Alpaca 2.0 mit PHD2-Autoguiding stellt das Optimum des Systems dar. Der Nachführfehler sinkt auf rund 2.5 Bogensekunden RMS — damit wird die atmosphärische Seeing-Grenze von typisch 2–3 Bogensekunden erreicht. Bei 400 mm Vollformat entspricht das weniger als 1 Pixel Verwacklung, was saubere Einzelbelichtungen von mehreren Minuten ermöglicht. Die Einrichtung erfordert einen geeigneten Leitrohr- oder Off-Axis-Guider-Aufbau sowie eine Guidekamera, erhöht aber den Nutzwert der Montierung erheblich.
Alpaca 2.0 aktiviert zudem die N-Point-Alignment-Funktion des Polaris sowie Plate-Solving-Integration, was die Einrichtung im Feld deutlich beschleunigt und reproduzierbarere Ergebnisse liefert.
5 Einordnung: Dwarf Mini und 10Micron GM1000 HPS
5.1 Dwarflab Dwarf Mini
Der Dwarf Mini arbeitet mit einem 1/2.8″-Sensor (2.9 µm Pixel) und einer effektiven Brennweite von rund 1016 mm. Dieser Pixelmassstab von 0.59 Bogensekunden pro Pixel ist extrem fein und erlaubt theoretisch nur ~1.2 Bogensekunden Tracking-Fehler, bevor Sterne sichtbar verschmiert werden. In der Praxis erreicht der eingebaute EQ-Modus etwa 3–5 Bogensekunden — was der Dwarf Mini durch konsequentes Live-Stacking intern kompensiert. Das Smart-Teleskop-Konzept setzt auf viele kurze Belichtungen statt einzelner langer Frames. Für unabhängige Einzelframes bei langen Brennweiten ist es damit nicht geeignet.
5.2 10Micron GM1000 HPS
Die 10Micron GM1000 HPS repräsentiert die professionelle Klasse mobiler Äquatorialmontierungen. Dank dualer Absolutencoder und Servo-Motoren erreicht sie laut Herstellerangabe 0.6 Bogensekunden RMS — vollständig ohne Autoguiding. Das entspricht einem Faktor 33 gegenüber dem Benro Polaris mit Standardsoftware. Der GM1000 HPS ermöglicht ungeführte Belichtungen von deutlich über 15 Minuten und eignet sich für Brennweiten jenseits von 1000 mm. Der Preis liegt entsprechend in einer anderen Grössenordnung.
6 Ergebnisübersicht
Die folgende Tabelle fasst die gemessenen Nachführfehler und die jeweiligen Praxiskonsequenzen zusammen:
| System | Fehler (RMS) | Pixel @400mm/VF | Max. Belichtung |
| 10Micron GM1000 HPS | ~0.6″ | 0.1 px | >15 min (ungeführt) |
| Benro + Alpaca 2.0 + PHD2 | ~2.5″ | 0.6 px | 3–5 min |
| Dwarf Mini (EQ-Modus) | ~4.0″ | 6.8 px* | intern kompensiert |
| Benro + Alpaca 2.0 | ~6.0″ | 1.4 px | 60–90 s |
| Benro Standardsoftware | ~20.0″ | 4.5 px | 15–20 s |
* Dwarf Mini: anderer Sensor/Brennweite; Pixel-Wert nicht direkt vergleichbar.
7 Fazit
Der Benro Polaris Astro ist mit der Standardsoftware eine solide Einstiegslösung für mobile Astrofotografie bis zu moderaten Brennweiten. Wer jedoch längere Brennweiten und saubere Einzelframes anstrebt, kommt an Alpaca 2.0 nicht vorbei. Die Drittanbieter-Firmware reduziert den Nachführfehler um rund 65 % und eröffnet durch die ASCOM-Kompatibilität den Zugang zum gesamten Ökosystem moderner Astrofotografie-Software.
Mit PHD2-Pulsguiding erreicht der Benro Polaris die atmosphärische Seeing-Grenze von ~2.5 Bogensekunden — ein bemerkenswertes Ergebnis für eine Montierung in dieser Preisklasse. Der Mehraufwand für Guidekamera und Leitrohr ist dabei zu berücksichtigen.
Im Vergleich zeigt der Dwarf Mini, dass Smart-Teleskope einen fundamental anderen Ansatz verfolgen: Statt präziser mechanischer Nachführung setzen sie auf algorithmische Kompensation via Live-Stacking. Der 10Micron GM1000 HPS dagegen demonstriert, was mechanische Präzision auf professionellem Niveau leistet — zu einem entsprechend anderen Preis. Die Analyse zeigt: Beim Benro steht eine gute Hardwarebasis auf schlechter Software. Die Hardwäre könnte viel mehr, wenn die Software dazu das Potenzial ausschöpfen würde. Für viele Anwendungen reicht die Basissoftware völlig aus – aber nicht unbedingt im Bereich Astro-Nachführung.
Empfehlung: Für mobilen Einsatz mit Vollformat und 400 mm ist Alpaca 2.0 praktisch obligatorisch. PHD2-Guiding lohnt sich ab Belichtungszeiten über 60 Sekunden oder Brennweiten über 300 mm.

Das hier gezeigte Bild des Orion (Alnitak, Alnilam, Mintaka) mit dem grossen Orionnebel sind mit 30 Sekunden bei 135 nahezu perfekt scharf. Das erstaunt umso mehr, da ich mir beim justieren nicht wirklich Mühe gegeben habe. Es handelt sich hier um eine Einzelaufnahme ohne Stacking. Aufgenommen mit einer standard Nikon Z6.