Blitzlicht einzusetzen ist eine Kunst. Nur einen modernen Blitz mit TTL zu kaufen, hat wenig mit Blitzlichtfotografie zu tun. Die Kunst fängt dort an, wo man das Blitzlich nicht wirklich erkennt. Meiner Meinung nach werden Motive oft totgeblitzt – was nicht am Motiv liegt – sondern vielmehr am schlechten Fotografen. Hier deshalb ein paar Tipps, wie du zum korrekten Blitzlicht kommst. Ein wichtiges Hilfsinstrument ist der Blitzbelichtungsmesser.

Digipro F2

1. Ausgangspunkt: Eine einzelne Blitzlampe

Eine einzelne Blitzlampe erzeugt einen kurzen, intensiven Lichtimpuls. Um reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen, muss die Lichtmenge gemessen und kontrolliert werden. Dazu dient ein Belichtungsmesser (Handbelichtungsmesser) mit Blitzmessfunktion.

2. Lichtmessung: Direkte und indirekte Methode

2.1 Direkte Messung (Incident Metering)

Vorgehen:
Der Belichtungsmesser wird an die Position des Motivs gehalten, die weisse Kalotte ist ausgeklappt und zeigt in Richtung der Kamera oder des Blitzes (je nach Messmethode). Der Blitz wird ausgelöst, der Belichtungsmesser zeigt den passenden Blendenwert an.

Vorteile:

  • Erfasst die absolute Lichtmenge, die auf das Motiv trifft.
  • Unabhaengig von Reflexionsgrad von Kleidung, Haut oder Oberflaechen.
  • Liefert konsistente Ergebnisse bei Portraets und definierter Studioarbeit.

Nachteile:

  • Erfordert Zugang zum Motiv.
  • Weniger geeignet, wenn grosse Entfernungen oder Hindernisse bestehen.

2.2 Indirekte Messung / Spotmessung (Reflected Metering)

Vorgehen:
Die Messung erfolgt durch Messung des reflektierten Blitzlichts vom Motiv aus Richtung der Kamera. Hierzu wird ein Belichtungsmesser mit Spotaufsatz oder die Kameramessung verwendet.

Vorteile:

  • Kann aus Kameraposition erfolgen, ohne zum Motiv gehen zu muessen.
  • Nützlich fuer Motive, bei denen bestimmte Bereiche gezielt bewertet werden sollen.

Nachteile:

  • Abhaengig vom Reflexionsgrad der Oberflaeche.
  • Dunkle Motive werden zu hell belichtet, helle Motive zu dunkel, wenn keine Korrektur erfolgt.
  • Weniger reproduzierbar.

3. Rolle der Graukarte

Eine Graukarte (18%-Grau) dient als Referenzflaeche fuer reflektierte Lichtmessungen.

Einsatzbereiche:

  • Kalibrierung der Belichtung bei indirekter Blitzmessung.
  • Sicherstellen, dass die Kamera das Motiv nicht aufgrund unterschiedlicher Reflexionen fehlinterpretiert.
  • Weissabgleich im RAW-Workflow, wenn die Graukarte kurz im Bild platziert wird.

Warum 18%-Grau?
Kameramesssysteme und Belichtungsmesser wurden so konstruiert, dass sie auf eine durchschnittliche Reflexion von etwa 18% normiert sind. Diese Flaeche bildet damit einen neutralen, standardisierten Messpunkt.

4. Praktischer Ablauf einer Blitzlichtbelichtung

  1. Blitz aufstellen
    Position, Abstand und Winkel festlegen.
  2. Modifikator auswaehlen
    Softbox, Reflektor, Schirm oder nackter Blitz beeinflussen Haerte und Richtung des Lichts.
  3. Belichtungsmesser positionieren
    Fuer die direkte Messung an die Motivposition, Kalotte Richtung Kamera oder Blitz.
  4. Blitz ausloesen
    Belichtungsmesser gibt den benötigten Blendenwert an (z. B. f/8).
    Kamera entsprechend einstellen.
  5. Kontrolle
    Histogramm pruefen, Testaufnahme betrachten.
    Falls notwendig: Blitzleistung anpassen, nicht die ISO oder Verschlusszeit (diese beeinflussen bei Studioblitz die Blitzbelichtung nur eingeschraenkt).

5. Zusammenfassung

  • Direkte Messung liefert konsistente, motivunabhaengige Ergebnisse und ist fuer Studiofotografie zu bevorzugen.
  • Indirekte Messung ist flexibel aus Kameraposition nutzbar, erfordert aber Referenzflaechen wie eine Graukarte.
  • Graukarte ist essentiell, wenn reflektiertes Licht gemessen oder korrekter Weissabgleich benoetigt wird.

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